Posts mit dem Label berlin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label berlin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 3. April 2011

Weltstadt für die Weltmacht

"Schicksal" und "Wunder" sind zentrale völkische Mythen der Deutschen, die ihre Geschichte nicht in der Sprache der Aufklärung beschreiben wollen.  Dass eine Weltmacht, die gerade ihr Staatsgebiet erheblich ausgeweitet hat, auch eine dazu passende Hauptstadt braucht, ist für die Mehrheit der Deutschen keine Frage. Jeder will jetzt seinen Beitrag zum "Comeback einer Weltstadt" leisten. Die Deutschen besuchen jetzt in Massen Berlin, die Konzerne wetteifern mit Umzugsplänen, die Medien gründen Hauptstadtbüros und Hauptstadt-Zeitungen, in deren Redaktionen Anhänger der  Jungen Union und  Kulturlinke einträchtig zusammen wirken.



.

Symbolische Reinigung der Identität: Aus dem Reichstag wird der Bundestag im Reichstag

Am 20.Juni 1991 stimmte der Deutsche Bundestag mehrheitlich dafür, Berlin zum deutschen Regierungssitz zu machen. Mit dem Beschluss von 1994, nicht mehrheitlich neu zu bauen, sondern Altbauten zu nutzen, erfolgte auch die Weichenstellung zum Einzug in berühmt-berüchtigte Nazi-Bauten wie z.B. in das frühere NS-Propagandaministerium. Allein die Umnutzung dieser Nazi-Bauten – darunter das Innenministerium, das Ministerien für Luftfahrt sowie die Reichsbank – kostete mehrere Milliarden Mark. Etwas anders wurde die "belastete Vergangenheit" beim Reichstag entsorgt. Vor dessen Umbau ließ man das Symbol deutscher Reichsgröße vom 23.Juni bis 6.Juli 1995, von dem Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude mit Tüchern verhüllen. Was danach wieder enthüllt wurde, sollte ein nicht neues, aber ein symbolisch gereinigtes demokratisches Symbol der deutschen Nation sein: "Die Umhüllung des Gebäudes gibt dem Bau eine neue, überraschende ästhetische Gestalt. Er eröffnet uns die Chance, diesen Bau in seiner Eigenart anders wahrzunehmen." "Christos Umhüllung des Reichstagsgebäudes markiert einen Neubeginn, einen neuen Abschnitt in der Geschichte dieses Gebäudes", "ein Zeichen für ein selbstbewußtes, gelassenes, tolerantes Parlament, .... mutig in einer Zeit verbreiteter Verzagtheit" ( Debatte  am 25. Februar 1994 im Bundesreichstag)



.